3. Juli, Vormittag
Goldener Morgen! Die Sonne schob sich über das Dach des Kornbodens. Ich saß auf dem Misthaufen, neben mir hockte Willy, der Faulpelz. Ich sagte zu ihm: „Ich brauche ein Bier.“ Er: „So früh?“ Ich: „Manche Menschen frühstücken flüssig.“ Flog schnurstracks zum Dickwanst in der Ochsengasse; eine Bruchbude, doch überall lecker Dreck. Der Dickwanst saß im Garten, soff zur Begrüßung des neuen Tages ein Bier – aber, ach: Ein Mädchenbier, die Flasche gelb wie Rinderurin. Und kein Glas!!! Ich wartete ab; der Dickwanst hat den Tatter, er verschüttet immer etwas. Doch er schlief ein, das Bier in der Pranke, schnorchelte, grunzte. Dann schreckte er auf, hustete, rotzte, Bier schwappte aus der Flasche – ich schoss los! Aah, labberige Labsal: Gersten-saft auf Waschbeton. Aber morgens darf man nicht wählerisch sein.
3. Juli, Nachmittag
Lange auf dem Mist gedöst. Willy wälzte sich währenddessen in einem Kuhfladen – e-kel-haft! Dann zuckten links hinten zwei Beine, ein eindeutiges Signal für Bierbedarf. Wenn drei zucken, kreist alles vor den Facettenaugen, wenn vier zucken, ist Alarmstufe Rot. Ich hob ab; oh, meine armen Flügel, wie schwach sie waren: Nährstoffnotstand. Doch woher nehmen? Surrte durch die Nachbarschaft. Alles biedere Bürger, die bis zum Feierabendbier die Zähne zusammenbeißen. Dann: Zwei Moppelweiber mit Weißbier! Sie stießen auf frische Frisuren an, rosa Strähnchen, lindgrüne Tönung. Horrido! Ich liiiiiebe Weißbier! Raste wie ein Stuka darauf zu, durchstieß den Schaum, als wären es Wolken, wasserte im bernsteinbraunen Nass. Süffelte. Oho – ho, ho, ho! Da heulten Sirenen, die Weiber aktivierten die Flugabwehr, ein weißwurstdickes Geschoss raste auf mich zu. Ich ruderte, strampelte, die Flügel voll Schaum, voll Bier der Mund, stieg auf. Hinter mir Einschläge, neben mir, vor mir. Elektroklatsche!!! Entkam mit knapper Not. Doch: Wie angenehm schwirrte der Kopf.
3. Juli, Abend
Oh, holder Abend, Zeit der Orgien. Willy fraß Kot. Ich floh. Getragen vom Aufwind der Grillkamine segelte ich über die Gärten, suchte ein gutes, gediegenes Bier. Lokalbräu! Ja, die Heimat ist alkoholhaltig, eindeutig. Milde Luft, aber zu viele Schwalben (die Fledermäuse sind noch schlimmer). Ich ortete ein Gelage: Männergesangverein im Koniferenschatten eines Buchsbaumgartens. Kistenweise Flaschenbier, fröhliche Weisen, Quetschkommode. Ideal, da alle schon blind und blau. Auf einem Liegestuhl ein halb volles Glas Lokalbräu, der Besitzer pinkelte in die Rosen. Ich wasserte, trank, trank, trank. Ahhh, feinherbe Würze, bittere Süße; das beste Bier ist so paradox wie das Leben! Die Männer sangen, soffen, ich fühlte mich wie ihr Bruder (wenn nicht in Gestalt, so doch im Geist). Plötzlich Gebrüll, das Glas saust hoch – Flutwelle! Ich rutsche nach vorn, nach hinten, werde rausgeschleudert, knalle gegen Aschenbecher. Finsternis. 4. Juli, Morgen Eijeijei, was für ein Brummschädel. Willy hämisch, doch es liegt nicht am Lokalbräu, sondern am Aufprall. Ein Bein zuckt; das Bier lockt. Noch kurz verschnaufen, dann auf zum Dickwanst, um einzupegeln. Denn Morgenstunde hat Gold im Munde – goldenes Bier!

