Glück und Tragik des Bierkonsums. Drei DPA-Novellen
Norbert Kron

Nantes – Eine Jungbäuerin aus einem Dorf an der Loire will eine Biermarke namens Spinnenbier auf den Markt bringen. Die junge Frau hatte auf einem Schützenfest mit Freunden gefeiert und war daraufhin im Bauernhof ihrer abwesenden Eltern stark alkoholisiert schlafen gegangen. Als sie nachts aufwachte und auf die Toilette gehen wollte, entdeckte sie, dass der Raum von Spinnen überfüllt war. Benommen flüchtete sie vor ihnen hinaus und bemerkte dabei einen stechenden Geruch. Es stellte sich heraus, dass die Spinnen vor einem Schwelbrand im Speicher über ihrem Zimmer geflohen waren. Die herbeigerufene Feuerwehr löschte den Brand gerade noch rechtzeitig. „Wenn ich nicht aufgewacht wäre“, sagte die junge Frau, „hätte ich die Spinnen gar nicht bemerkt und wäre jetzt tot.“ Sie will nun mit der ortsansässigen Brauerei eine Biersorte mit einer Spinne auf dem Etikett kreieren.

Soest – Auf tragische Weise endete für eine Familie ein Sonntagsausflug auf Inlineskates, bei dem der Vater und eine Tochter ums Leben kamen. Ein 55-jähriger Autofahrer hatte die Kon-trolle über seinen Wagen verloren und war in die Gruppe gerast, die sich auf dem Rückweg einer Skatetour befand. Der Arbeitslose hatte zuvor an einer Tankstelle mit seinem letzten Geld zwei Dosen Bier gekauft und eine davon geöffnet. Nachdem er die halbe Dose getrunken hatte, besann er sich, auf weiteren Alkoholkonsum vor der Autofahrt zu verzichten und das angebrochene Bier zuhause weiterzutrinken. Durch ein Schlagloch auf der Fahrbahn kippte die offene Dose, die er im Fußraum des Beifahrersitzes festgeklemmt hatte, um, worauf er sich in einer Reflexhandlung nach ihr bückte. Dabei verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug und raste in die Gruppe. Der Familienvater, ein 43-jähriger Ingenieur, war sofort tot, seine 11 Jahre alte Tochter erlag ihren Verletzungen in der Nacht zum Mittwoch im Krankenhaus. Der Autofahrer, der nach Angaben der Polizei nur 0,2 Promille Alkohol im Blut hatte, versuchte sich in der Untersuchungshaft das Leben zu nehmen, wurde aber gerettet.

Londonderry – Als großes Glück erwies sich für die Hinterbliebenen eines 73-jährigen Iren die Alkoholsucht eines Hundes. Der Rentner hatte seit zehn Jahren allein mit seinem Hund gelebt und diesem offensichtlich regelmäßig Bier zum Trinken gegeben. Aus Trauer über den Tod seines Herrn hatte der alkoholsüchtige Hund bei der Beerdigungsfeier sich Zugang zu einem Bierfass verschafft, dieses umgeworfen und sich an dem auslaufenden Bier betrunken.
Anschließend kehrte der sternhagelvolle Vierbeiner in das Wohnzimmer des Herrchens zurück, wobei er regelrecht randalierte. Unter den zu Bruch gegangenen Gegenständen befand sich auch eine Vase, in der die Ersparnisse des Toten zum Vorschein kamen, fast 50.000 Euro. Die Familie will nun einen Teil des Geldes an ein Heim für verwaiste Tiere spenden. Außerdem soll der Hund jeden Abend sein Feierabendbier erhalten. „Eine Entziehungskur“, sagte ein Verwandter, „hat der arme Hund nicht verdient.“

geboren 1965, lebt in Berlin als Schriftsteller und Journalist. Romane: „Autopilot“ (2002), „Der Begleiter“ (2008). Zahlreiche Artikel (u. a. DIE ZEIT) und TV-Beiträge für RBB/ARD (u. a. titel thesen temperamente). Stipendien u. a. Villa Aurora Los Angeles.