hopfen
Jan Wagner

am anfang sind sie unbeholfen
wie kälber, schwankend auf ihren dünnen beinen
und einer fremden erde ausgesetzt.

bis sie ein draht in die höhe zieht:
sie wachsen, und die blätter werden rauh
und schwielig, wappnen ihren rand mit zähnen.

erst meter überm boden halten
sie inne, äußern sich in zapfen,
die klein und gelb sind, voller bitterkeit.

im juli ist es ein heerlager, das stumm
und grün über den hügeln steht.
dann sind sie fort, über nacht,

und nur die fahnenlosen stangen bleiben.
die mondluft in den nackten dörfern
trägt das gedröhn der schenken übers land.

1971 in Hamburg geboren, lebt in Berlin; u. a. Anna-Seghers-Preis (2004); Lyrik und Übersetzungen englisch-sprachiger Lyrik, Veröffentlichungen u. a. „Probebohrung im Himmel“ (2001), „Guerickes Sperling“ (2004) und „Achtzehn Pasteten“ (2007).